Elterntipps rund ums Lesenlernen

Allgemeine Förderhinweise

Wie kann ich mein Kind fördern?

Als Eltern sind Sie prägender für die Lesegewohnheiten Ihres Kindes als die Schule und spielen deshalb eine wichtige Rolle bei der Verbesserung der Lesekompetenz Ihres Kindes. Der Einfluss der Schule auf die Förderung des regelmäßigen Lesens ist geringer, als Sie vielleicht dachten. Gehen Sie deshalb mit gutem Beispiel voran. Lesen Sie selbst, lesen Sie Ihrem Kind vor, und nehmen Sie sich die Zeit, sich von Ihrem Kind vorlesen zu lassen. Seien Sie dabei kreativ: Eine Gespenstergeschichte kann auch einmal im Keller oder im Garten bei Kerzenlicht gelesen werden, und ein Gespräch im Buch kann mit verteilten Rollen gesprochen werden. Wenn Sie selbst gerne in Büchereien oder in Buchhandlungen gehen, dann nehmen Sie doch einfach Ihr Kind mit. So sind Sie ein unaufdringliches Vorbild. Meist sind Büchereien auch so eingerichtet, dass es eine bequeme Ecke zum Schmökern gibt, in der sich Ihr Kind sicher gerne aufhält. Versuchen Sie, das Lesen in positive Zusammenhänge einzubetten. Auch das bewusste Einplanen von Zeit für das Lesen ist wichtig, um stabile Lesegewohnheiten aufzubauen. Lassen Sie Ihr Kind doch abends einfach einmal länger zum Lesen aufbleiben, oder verankern Sie das Lesen fest als "Lesen im Bett". Das ist eine attraktive Alternative zum Löschen des Lichts, sodass das Lesen schnell zum abendlichen Ritual wird.

Info:

Wussten Sie, dass gute Leser schlechten Lesern vor allem in der Leseerfahrung und daraus resultierend auch im Lesetempo überlegen sind? Grundsätzlich steigt nämlich das Lesetempo mit der Menge der gelesenen Texte und Bücher.

Ein Vielleser im Alter von etwa 10 Jahren liest pro Tag länger als eine Stunde. Ein Wenigleser liest nur ungefähr zwei bis drei Minuten pro Tag (vgl. Michael Jäckel, Sabine Wollscheid: Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen im familialen Kontext. In: Media Perspektiven 11, 2006, S. 590). Bei 60 Wörtern in der Minute sind das etwa 66 000 Wörter im Jahr. Der Vielleser liest mindestens 20-mal so lange wie der Wenigleser. Da er aber nicht nur länger, sondern durch die größere Übung auch schneller liest, stehen den 66 000 Wörtern des Weniglesers ungefähr 1,5 Millionen pro Jahr gelesene Wörter des Viellesers gegenüber.

Besorgen Sie sich für den Urlaub Ferienlektüre – oft ist gerade an den Abenden im Urlaub Zeit zum Lesen. Ihre eigene Begeisterung über Geschichten, von der Sie Ihrem Kind erzählen, ist oft überzeugend und gibt Ihnen beiden wertvolle Impulse für ein Gespräch.

Info:

In Studien wurde festgestellt, dass nach dem Eintritt in die Schule das Interesse am Lesen im Lauf der Jahre immer geringer wird. In zwei "Leseknicks" nimmt das Interesse an Büchern bei Kindern ab. Der erste Einbruch erfolgt zwischen dem 8. und 9. Lebensjahr, der zweite zwischen dem 11. und 13. Lebensjahr. Daher sollte in dieser Zeit viel unternommen werden, um die Lesefreude des Kindes aufrechtzuerhalten.

Gerade Kinder im 4. Schuljahr gehören zu einer Altersgruppe, die anfällig ist, das Interesse am Lesen zu verlieren. Besonders gefährdet sind die Jungen. Setzen Sie deshalb den Qualitätsanspruch an Bücher nicht zu hoch an. Gerade in Zeiten, in denen Ihr Kind nicht gerne liest, kann es auch förderlich sein, wenn es eine Weile nur Comics liest. Spaß beim Lesen zu haben, wirkt nachhaltiger als Druck. Zwingen Sie Ihr Kind deshalb nicht, ein "gutes" Buch zu lesen. Auch wenn sich Ihr Kind für andere Geschichten interessiert, als Sie es sich vielleicht wünschen, zeigen Sie Interesse und nehmen Sie Anteil. Das ist auch eine Chance, mit Ihrem Kind im Gespräch zu bleiben. Damit Schüler der 4. Klasse zum Buch greifen, muss die Lektüre für sie interessant und spannend sein. Deshalb ist ein abwechslungsreicher, unterhaltsamer und oft auch spannender Erzählstil sehr wichtig. Kaum ein Kind liest gerne langatmige Bücher mit verschachtelten Sätzen und ausufernden Beschreibungen. Wenn Ihr Kind überfordert wird und das Lesen als sehr anstrengend und ermüdend empfindet, wird es sich den Griff zum nächsten Buch vermutlich eher ersparen. Bücher für Viertklässler können einen Umfang von 100 Seiten und mehr haben. Hat Ihr Kind mit diesem Umfang jedoch noch Schwierigkeiten, dann wählen Sie ein weniger umfangreiches Buch. Der Spaß geht hier vor. Versuchen Sie, das Lesen in möglichst viele Situationen zu integrieren. Kochen Sie nach einem Rezept, und lassen Sie Ihr Kind das Rezept doch einfach vorlesen. Auf der Fahrt in den Urlaub können Autokennzeichen oder Ortsnamen gelesen werden, oder Ihr Kind kann die Strecke auf der Karte suchen. So kommt Ihr Kind ganz selbstverständlich und ohne es als schulische Aufgabe zu empfinden, zum Lesen.

Verknüpfen Sie das Lesen von Büchern mit Gesprächen darüber. Ihr Kind erzählt dann ganz automatisch, was es gelesen hat und worum es in dem Buch geht. Ohne es zu merken, fasst Ihr Kind die Inhalte zusammen und beantwortet ohne Schwierigkeiten Fragen, die in einem solchen Gespräch oft auftauchen. Jungen lesen statistisch wesentlich weniger als Mädchen. Liest Ihr Sohn sehr ungerne, so versuchen Sie es doch einfach mit Leseförderung am Computer. Auf Internetseiten speziell für Kinder finden sich interessante Texte zu vielen wissenswerten Themen. Auch Quiz- und Knobelfragen müssen gelesen werden, um beantwortet zu werden. Dies sollte nicht die einzige Form des Lesens sein, aber es kann eine freudvolle Ergänzung sein. Hierbei liest Ihr Kind ganz selbstverständlich, ohne dies als Aufgabe oder Arbeit zu empfinden – also ganz nebenbei.

Noch eine Anmerkung zu Lesetests in der Schule: Spätestens im 4. Schuljahr wird Ihr Kind mit umfangreichen Lesetests konfrontiert. Der Aufbau solcher Tests ist dem Aufbau der Lerneinheiten im zweiten Teil sowie dem des Eingangsund des Abschlusstests ähnlich. Auch Stolperwörtertexte, wie Sie sie im ersten Teil finden, können die Grundlage für einen Lesetest bilden.